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Sie halten für uns das Netz sauber: Die Content-Moderators in Manila, Essen und Berlin. Sie entfernen für Facebook, Google und Co anstößige oder kriminelle Inhalte. Wie sie ihre Arbeit verrichten und was das für Folgen hat zeigt der Film „The Cleaners“ (Arte, ARD).

Das Selbstverständnis der Content-Moderators ist klar: Sie sehen sich als diejenigen, die das Internet von Schmutz und Kriminalität bereinigen.

In „The Cleaners“ wird am Beispiel der Arbeitsbedingungen in Manila gezeigt, wie ihre Arbeit aussieht: Für einen geringen Lohn sitzen sie in einer kleinen Arbeitskabine vor einem Bildschirm und entscheiden in Sekundenbruchteilen, welches Bild, welcher Text, welches Video bei GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple) oder anderen sozialen Netzwerken gezeigt oder gelöscht wird. Sie werden dabei häufig mit Inhalten konfrontiert, die sie schwer belasten: Kinderpornographie, Hinrichtungen, Sexszenen, die vollkommen konträr zu ihrer eigenen Einstellungen sind. Sie sind die neuen Lohnarbeitssklaven, die für die saturierte Mittel- und Oberschicht in den entwickelten Ländern die Drecksarbeit machen, genau so wie die Näherinnen in Bangladesh.

Doch der Film zeigt nicht nur die Arbeitsbedingungen der digitalen Lohnarbeitssklaven, es wird auch deutlich, was für ein Produkt dann bei uns ankommt: ein bereinigtes Weltbild, das den politischen und moralischen Vorstellungen der amerikanischen Westküstenbevölkerung entspricht. Neoliberalismus, religiöser Eifer und Prüderie werden damit auf den Rest der Welt übertragen.

Aus Profitzwang heraus wird dann auch direkte Zensur eingerichtet: In der Türkei oder ganz aktuell in China werden nur noch die Inhalte sichtbar sein, die den jeweils herrschenden genehm sind. Alles andere wird in vorauseilendem Gehorsam bereits von Facebook oder Google durch die Content-Moderator gelöscht.

Da wird der Zynismus deutlich, wenn Zuckerberg, Brin oder Page behaupten, man wolle die Welt gemeinsam verbessern. Sitzen die Manager von GAFA gemeinsam mit den content-moderators in einer Kabine und bekommen das gleiche Gehalt wie diese? Ist ihre Vorstellung der besseren Welt die gleiche, die die content-moderators oder die wir als aufgeklärte Bürger haben?