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Wenn in Athen des 5. Jahrhunderts v.u.Z. ein Blitz einschlug, dann war dieser bestimmt von Zeus geschleudert worden. Wenn heute Menschen durch Werbung zu unmäßigem Konsum verleitet werden, dann ist das Internet dran schuld.

Künstliche Intelligenz, Internet, digitale Spiele oder Roboter: Sie dienen als Projektionsflächen für vielerlei Phantasien, Ängste oder Hoffnungen.

Wenn man jedoch die digitalen Produkte der um sie gesponnenen Ideen entkleidet, wird die reale technologische Basis verständlich. Und dann werden die wirtschaftlichen Zusammenhänge, die politischen Zwecke und die individuellen Nutzen und Gefährdungen in der realen Welt deutlich. So kann jenseits von Mythenbildung und Irrationalismus diskutiert werden, welche gesellschaftlichen und politischen Ziele die Nutzung dieser Technologien zugrunde liegen sollten.

 

Dazu zwei Beispiele:

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz erscheint vielen Menschen als eine heraufkommende Macht, die uns alle unterdrücken will und wird. Anderen erscheint sie als ein Allheilmittel, das endlich Strukturen schafft, um allgemeine Gesundheit, weltumfassende Ökologie und ein rationales Verkehrswesen hervorzubringen.

Aktueller Stand der Technik ist aber, dass es diese singuläre Macht in absehbarer Zeit nicht geben wird. Die positiven sowie negativen KI-Phantasien blenden aus, dass aktuelle Anwendungen von KI, oder besser: maschinelles Lernen mit neuronalen Netzen, von Menschen erstellte und von Institutionen ausgenutzte Software ist. Mit welchen Daten neuronale Netze gefüttert werden, welche Algorithmen für Auswertungen eingesetzt werden und was mit den Ergebnissen geschieht, dass sind wirtschaftliche und politische Entscheidungen, keine technischen.

Um diese Fragen kompetent zu diskutieren, muss die grundlegende Verfahrensweise des maschinellen Lernens verstanden werden: Es werden von Data-Scientists in Modelle strukturierte Daten einem Softwaresystem übergeben. Die Bearbeitung dieser Daten geschieht auf Grundlagen von Algorithmen, die statistische Verfahren realisieren und deren Verwendung von Menschen festgelegt wird. Wie die dann gewonnenen Informationen genutzt werden, entscheiden Menschen bzw. die Institutionen, die Besitzer dieser Informationen sind. KI ist im Kern die Anwendung von statistischen Methode mit einem sehr hohen Grad an Wahrscheinlichkeit.

Der (anti)technizistischen Mythen entkleidet werden die wirtschaftlichen und politischen Implikationen von KI deutlich: Wer bestimmt die Auswahl der verwendeten Daten? Wer bestimmt, welche Algorithmen mit welchen Parametern angewandt werden? Wie werden die gewonnenen Informationen im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Umfeld verwendet?

Roboter

Schon in den 50 Jahren waren Science-Fiction Romane voll von humanoiden Robotern, die die Menschheit beherrschen wollen. Dieser Topos hat sich hartnäckig gehalten und ist mittlerweile ein allgemeines Thema auf jeder Grillparty.

Zur Zeit setzen sich im Real-Life andere Arten von Robotern durch: autonom agierende Maschinen, die nicht mehr auf einzelne Steuerungsbefehle von Menschen angewiesen sind. Das technische Grundprinzip ist: Mittels Sensoren werden Daten aus der Umwelt erfasst, durch ein Softwaresystem, häufig ein neuronales Netz, nach festgelegten Regeln verarbeitet und mittels Aktoren werden die erwünschten Handlungen durchgeführt.

Wenn man alle Phantasien der Weltherrschaft durch Roboter beiseite lässt und sich die zugrunde liegende Technologie genauer anschaut, wird deutlich, dass nicht die technischen (Un)möglichkeiten von Robotern das Wesen dieser Maschinen ausmacht, sondern solche Fragen wie Ziele und Zwecke der Roboter, Forschungsrichtungen in der Robotertechnologie, Verwendungsweisen im wirtschaftlichen und politischen Umfeld.

Fazit

Im Fokus der Überlegungen zu den neuen Technologien sollten nicht die Faszination oder Angst stehen, es sollten die Strukturen dieser Technologien verstanden werden, um dann den Blick für die wirtschaftliche, kulturelle und politische Bedeutung frei zu bekommen.